Politik, die Gesellschaft

So harte Worte

Das war man gar nicht mehr gewohnt von Koch-Cheerleaderin und Schönwetterkanzlerin Angela. Bisweilen spricht sie dann aber doch noch mal etwas brisantes, fast schon ein kleines Skandälchen an. Nachdem sich herauszukristallisieren scheint, dass die Aufklärung der Ursachen der Ludwigshafener Brandkatastrophe noch länger auf sich warten lässt, kann sich Angela vorwagen, um noch mal kurz das xenophobe konservative Profil der Union zu schärfen.

“Integration vor Assimilation” hat Erdogan vor 16.000 Landsleuten als Leitmotto für das Leben in Deutschland ausgegeben. Da Erdogans Ideen im Zweifelsfall für die Parallelgesellschaft zu favorisieren scheinen, ist es klar, dass der Deutschen und des Deutschtums oberste Sittenwächterin auf den Plan gerufen fühlt. Adjuntant Beckstein aus Bayern eilt auch gleich zur Seite, fehlt eigentlich nur noch Pofalla und die Runde ist perfekt.

Dass eine komplette Assimilationsverweigerung Schwachsinn ist, sollte ebenso klar sein wie die der Forderung nach türkischen Exilgymnasien innewohnende Schwachsinnigkeit. Integration ist immer eine zweiseitige Angelegenheit, schließlich kann auch nur so eine gegenseitige kulturelle Bereicherung erfolgen. Dass die Leitkultur-Anhänger in der Union in Erdogans Worten ein gefundenes Fresschen sehen, liegt auf der Hand, auch wenn ebenfalls klar sein sollte, dass man der Realität eines Einwanderungslandes nicht gerecht werden kann, indem man Einwanderung und die damit verbundene Heimatlosigkeit der Einwanderer einfach ignoriert. Das Problem anzusprechen ist das Eine, es Wegzureden das andere.

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