die Gesellschaft, wundern

Der Fehler ist passiert - bedauern sie wirklich?

Nachdem am vergangenen Freitag ein Artikel über einen Erweckungstag hier in Herten für einigen Trubel gesorgt hat, fand sich heute in der Zeitung entsprechend eine Mitteilung der Gemeinde, die den Prediger eingeladen hatte. [hier, hier]

Mit großem Bedauern mussten wir feststellen, dass während des Awake Day ein nicht aus Herten stammender Prediger Dinge sagte, die mit unserer Auffassung von Glauben und Leben nicht übereinstimmen. [Q]

Nun, der Prediger von außen war es, dementsprechend liegt die Schuld auch bei dem, der es gesagt hat und nicht bei den Initiatoren der Veranstaltung. Abgesehen davon, dass das gesamte Statement nur verschwurbelte Formulierungen enthält und an keiner Stelle die Akzeptanz von Homosexualität als Teil bevorzugten Gesellschaftsordnung erwähnt, was in diesem Fall durchaus angebracht wäre, wollen wir mal kurz nachdenken.

Ich bin eine Gemeinde und will ein Event für Jugendliche veranstalten, im Optimalfall möchte ich also auch junge Leute begeistern. Zu diesem Zweck miete ich eine Halle, sorge für Musik und was fehlt noch? Genau, ein Gastredner, das wär doch was!

Und genau an dieser Stelle will man uns dann tatsächlich auftischen, dass man sich keinerlei Gedanken gemacht hat und rein zufällig ein schwarzes Schaf in die Kirche geholt hat? Das einzige weit und breit womöglich? Natürlich, alles furchtbare Fehler. Ich würde mir jedenfalls jemanden aussuchen, der über entsprechende Reputation verfügt und mit Jugendlichen gearbeitet hat. Und nach eben solchen Kriterien wird man sich auch in diesem Fall den Gastredner ausgesucht haben. Dabei hat man natürlich nichts von dem konservativ-reaktionären Charakter des eingeladenen Predigers bemerkt, oder nicht bemerken wollen?

Bleiben zwei Fragen. Erstens war die Presse während der Äußerungen zugegen, warum hat man sich also nicht direkt an Ort und Stelle von den Äußerungen distanziert? War Rücksprache nötig, ob Homosexualität denn nicht wirklich vielleicht doch ein Krebstumor unserer Gesellschaft ist?

Darüber hinaus stellt sich eine noch viel interessantere Frage: Warum hat der gute Mann selbst überhaupt so einen Schwachsinn geredet? Auch hier liefert eine kurze Überlegung ernüchternde Ergebnisse: Jugendliche bekommt man am besten mit Provokation und was eignet sich in einem konservativen Umfeld da besser als Minderheitenbashing? Angesichts der Tatsache dass sich diese freikirchliche Gemeinde ausschließlich über Spenden finanziert, ist unschwer ersichtlich aus welchem gesellschaftlichen Umfeld die Mitglieder kommen, Hartz IV wird unter diesen Leuten eher die Ausnahme sein. Dementsprechend bietet sich die bei Jugendlichen eigentlich immer gut laufende Kapitalismuskritik nicht wirklich an, weil zu Riskant. Der weitere Weg ist einfach, Ausländer sind ungeeignet, man möchte ja nicht als Fundamentalist darstehen. Bleiben also Homosexuelle, die in diesen Kreisen ohnehin ihre Sexualität nicht offen zugeben würden.

Es bleibt also die Erkenntnis, dass es sich hier um einen einfachen Fall reaktionär-konservativer Stimmungsmache handelt, ausgerichtet auf ein Publikum, das nichts anderes hören will, weil eine wirklich offene und auf Gleichheit basierende Gesellschaft zu sehr am eigenen Konto ruckeln könnte.

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