Politik, die Gesellschaft, wundern

Aus der beliebten Serie “Eine Schnapsidee mit noch nicht absehbaren Folgen”

Schon gut, Deutschland ist ein Autoland und wenn es VW und Konsorten an den Kragen gehen könnte, sind politische Vernunft und ökologische Randbedingungen gefälligst auszublenden. Das können nicht nur die Kanzlerin und ihr Autominister Umweltminister ganz hervorragend, sondern auch der eigentlich für den Verkehr zuständige Wolfgang Tiefensee hatte einen grandiosen Geistesblitz kurz vor der Sommerpause.

Die Leute stehen nunmal im Stau (irgendwann kommen auch 12-spurige Autbahnen an ihre Grenzen, auch wenn das keiner glauben wil), wenn sie in die Ferien wollen und weil dieser Zustand per se nicht hinnehmbar ist, will Tiefensee nun zwei Punkte durchsetzen:

  • Einerseits sollen im Hinblick eines besseren Verkehrsflusses LKW für immer und ewig auf die rechte Spur verbannt werden. Bei mehr als 2 Spuren im Flachland mag das sinnvoll sein, wo immer Steigungen im Spiel sind, wird es jedoch kompliziert, weil dann ein langsamer LKW alle anderen aufhält. Weiterhin sind gerade Brummifahrer sehr anschmiegsam, was den Vordermann betrifft. Da eine Ausfahrt zu erwischen kann bei erhöhtem Verkehrsaufkommen zum Glücksspiel werden.
  • Zweitens und auf der Schwachsinnsskala von 1-10 auf Position 12 zu verorten ist der geniale Einfall, auch den Standstreifen für den Verkehr freizugeben und zwar (Achtung!) in Zeiten besonders starker Verkehrsströme. Also gerade dann, wenn Unfälle passieren, sollen per Gesetz Rettungswege dicht gemacht werden. Genius!

Wir haben also zwei schwachsinnige Vorschläge, die angesichts steigender Spritpreise vor allem die ohnehin gestressten Familienväter in ihren Audis ruhigstellen sollen, ohne aber das eigentliche und gravierendste Problem des Individualverkehrs an sich anzugehen: Das Individuum.

Es können noch so viele getrennte Spuren eingerichtet werden, wenn es den Idioten weiterhin gestattet wird, mit 220km/h auf einer bundesdeutschen Autobahn zu rasen ohne Rücksicht auf den Verkehrsfluss. Denn wer die linke Spur plötzlich wechseln muss, weil der primitive Idiot im SL600 anwalzt, zwingt unter Umständen den sich erschreckenden Hintermann auf der rechten Spur zum Bremsen, so dass sich diese Verzögerung weiter fortpflanzt. Jeder, der schon mal in einem Auto saß, wird das kennen.

Deswegen Tempo 130. Das ist nicht langsam und wenn es auch wirklich gefahren werden kann, sehr sinnvoll. Nicht nur im Hinblick auf Daddys Nerven sondern auch für die Umwelt. Staus sind Gift für die Umwel, da hat der Minister Recht, aber der SL600 ist es auch. Wenn man aber eh nur noch 130 fahren darf, reicht ja vielleicht auch der SL350.

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