Skandal! Ein vielleicht offensichtlich nicht ganz dichter Mann hat Madame Tussauds in Berlin gestürmt und dem Führer das edle Haupt vom Körper gerissen. Das ist nun also der Gipfel einer schwachsinnigen und scheinheilig geführten Diskussion um die Ausstellung von Adolf Hitler als Wachsfigur in der deutschen Niederlassung des wächsernen Kuriositätenkabinetts Madame Tussauds.
Niemand reißt Seiten aus Geschichtsbüchern, weil ein Foto mit Hitler darauf abgedruckt ist. Dass eine Wachsfigur stärker glorifizierend wirkt, ist nicht unbedingt einleuchtend, zumal von Seiten der Museumsleitung Maßnahmen (keine Fotos mit Hitler!) ergriffen wurden, um dies zu unterbinden.
Insofern also wieder “nur ein Irrer”? Prinzipiell (und vor dem Hintergrund der Tatsache, dass der Mann wohl schon mehrmals aufgefallen ist, ganz besonders) schon, auch wenn die Tat darauf hindeutet, dass man hier in Deutschland immer noch keine Möglichkeit gefunden hat, mit der Vergangenheit in angemessener Form umzugehen.
Viel wichtiger als Hitler-Figuren leben oder sterben zu lassen ist es, die demokratische Kultur dieses Landes zu fördern und der multikulturellen Realität des Einwanderungslandes Deutschland gerecht zu werden. Gerade dieses unglaublich wichtige Bewusstsein und Verhalten wird aber leider auch von Politikern konsequent konterkariert. Insofern sollten wir uns weniger über ausgestellte Hitlers aufregen und viel eher mit mehr Engagement alltägliche Diskriminierung und Fremdenfeindlichkeit in Deutschland abzubauen und zu bekämpfen helfen. Nicht mit Gewalt, sondern mit Verständnis und Interesse.


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