Über Wassertester

Auf sueddeutsche.de schreibt S. Braun zum Wahlprogramm der Union im Allgemeinen und zu Kanzlerin Merkel folgende begleitende Worte:

Als sie im Sommer 2008 die Bildungsrepublik propagierte, hatte sie jenes Thema aufgegriffen, das Idee und Wahlprogramm genug gewesen wäre. Gewiss, “Bildungsrepublik” hört sich sperrig an. Aber das Ziel, die gravierenden Probleme anzugehen, die es in der frühkindlichen Bildung, den Schulen und der Berufsausbildung gibt, war goldrichtig. Dies in den Mittelpunkt des Wahlkampfs zu stellen, wäre mutig und gut gewesen. Fast alles andere – Steuern, Familien, Integration und Energie bis hin zur Kriminalitätsbekämpfung – hätte man davon ableiten können. Dass Merkels Bildungsreise wenig erbrachte, lag nicht am Thema, sondern am Konflikt mit den eigenen Ministerpräsidenten. Das ist kein Grund, das Ziel zurückzustellen; es ist ein Beleg für die Schwäche der Christdemokraten, in diesem, für die Zukunft wichtigsten Thema eine gemeinsame Linie zu finden.

Dem kann ich natürlich nur zustimmen, denn es ist richtig. Allerdings muss man dazu auch sagen, dass in diesem Zusammenhang wahrscheinlich jeder Regierungschef an den eigenen Ministerpräsidenten scheitern würde, denn gerade das Thema Bildung ist eines, das viel Geld kostet und wenig schnelle Resultate vorbringt. Insofern ist es also natürlich ein schwer zu vermittelndes Thema, das nicht direkt zum Aufhänger eines Wahlkampfes in Zeiten der Krise taugt.

Dann gibt es da noch einen Abschnitt, der sich mit unterschiedlichen Typen von Politikern befasst. Hierbei wird einerseits der Visonär Obama genannt, der eine Führungsrolle übernimmt, beschrieben. Ihm wird Angela Merkel gegenübergestellt:

“She tests the waters”, sagt man da, “sie prüft das Wasser”, um Temperatur und Strömung zu spüren. Wenn die Deutschen ein Volk der “Wassertester” bleiben, hat Merkel im Herbst wirklich gute Chancen.

Angela Merkel ist eine Wassertesterin, keine Frage. Aber, und das liegt ebenso auf der Hand, auch ihr Gegenkandidat Frank-Walter Steinmeier ist ein Wassertester. Beiden fehlt es an Strahlkraft, sie können sich nicht ins Wasser stürzen, weil sie in den Stromschnellen der Öffentlichkeit mangels Charisma mitgerissen würden. Merkel hat natürlich den Vorteil, in Amt und Würden zu stehen. Das allein sichert ihr einen Vorsprung vor Steinmeier. Nicht, dass das Unionsprogramm besser ist oder dass sie die bessere Politikerin ist. Auch ein Entwurf für die Gesellschaft nach der Krise sucht man bei der Union vergebens. Programm ist, was Stimmen bringt. Das mag zweckdienlich sein, klug ist es nicht. Umsichtig erst recht nicht.

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