Lufthansa

Schon erstaunlich, wie ein Tag Streik ein System so sehr aus dem Takt bringen kann, dass es vermutlich eine Woche brauchen wird, bis die Lufthansa wieder wir üblich funktioniert.
Weitere Ausführungen hierzu spare ich mir einfach mal. Soll jeder selbst beurteilen, ob Leute mit einem Anfangsgehalt von 60.000€ im Jahr sich so anstellen sollten oder nicht.

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Als gäbe es keine dringenderen Probleme: Ärztemangel

Die FDP hat ein  neues Thema entdeckt: Sehr bald gibt es in Deutschland nämlich wieder mal zu wenig Ärzte, sagt jedenfalls die Frau Flach. Deswegen möge man also doch bitte sehr die Zulassungsbeschränkungen lockern, damit wir in Deutschland nicht bald neben der Bildungswüste auch noch eine Ärztewüste vorfinden. Anders ausgedrückt: Mehr Studienplätze bitte sehr.

Ich bin in der Hinsicht Laie, da ich weder Mediziner noch chronisch krank bin. Aber es fallen mir dreierlei Dinge auf:

  • Hier im Ruhrgebiet gibt es auch dann keinen Ärztemangel, wenn die Hälfte der Praxen schließen. Ärzte gibt es hier wie Sand am Meer. Dass das in der Uckermark anders aussieht, wird man durch gelockerte Studienzulassungsbeschränkungen übrigens nicht ändern können, denn  entgegen der herrschenden Meinung leben wir nicht in einem sozialistischen Staat, in dem irgendwer den Ärzten vorschreiben kann, wo sie ihre Praxis aufmachen.
  • In anderen europäischen Ländern gehen die Menschen wesentlich seltener zum Arzt, ohne aber signifikant früher zu sterben. Könnte man hier ja auch mal einführen, vielleicht hat das ja auch ganz nebenbei auch eine Wirkung auf die explodierenden Gesundheitskosten.
  • Wer Medizin studiert, will gerne Arzt werden. Und “Arzt werden” heißt Chefarzt im Krankenhaus oder niedergelassener Arzt irgendwo in einer florierenden Stadt. Auch an dieser Situation werden mehr Medizinstudenten erstmal nichts ändern.

Viel interessanter und wichtiger ist die Frage, wie man die Einkommensverteilung in der Ärzteschaft allgemein regeln könnte, damit eine gleichmäßigere Verteilung des vielen Staatsgeldes in diesem Bereich gewährleistet werden kann. Hierfür haben Ärzte übrigens Kammern und Gewerkschaften.
Es besteht also gar kein Grund zu panischer staatlicher Intervention, Frau Flach.

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Westerwave, one last time

Es geht wieder aufwärts mit der FDP, das bedeutet also, dass Dr. Westerwelle und seine Äußerungen sich in das kollektive Bewusstsein eingebrannt haben und dort von manchen als doch gar nicht so schlimm einsortiert wurden.

Wahrscheinlich stimmen nicht nur 75% der Bevölkerung sondern auch Andrea Nahles und Gregor Gysi Westerwelle darin zu, dass derjenige, der arbeitet, mehr haben muss als derjenige, der nicht arbeitet. Das ist nicht nur logisch und gerecht, es steht auch im Gesetz. Deswegen muss darüber auch gar nicht diskutiert werden, so wie sich der Herr Außenminister das so gerne wünscht.
Diskussionswürdig ist in der Tat lediglich die Frage, wie das Lohnabstandsgebot einhaltbar ist. Hier gibt es im Groben zwei verschiedene Ansätze. Derjenige, den Westerwelle eindeutig favorisiert ist die Absenkung der Hartz-IV-Regelsätze, damit die Faulen und Dummen sich bitte sehr nicht mir ihrem staatlich verschafften Reichtum (immerhin nahezu unverschämte 359€ Bargeld im Monat) auf ihre dekadenten Ärsche setzen.
Der zweite Ansatz ist es, in einem ersten Schritt eine angemessene Lohnsteigerung durchzusetzen, um sich anschließend überhaupt einmal grundsätzlich mit der Frage zu beschäftigen, wie man in einer Gesellschaft, in der es nach heutigem Stand so schnell keine Vollbeschäftigung geben wird, mit dem knapper werdenden Privileg Erwerbsarbeit umgehen soll.

Nur am Rande sollte in diesem Zusammenhang noch zweierlei angemerkt werden: Angeblich obszön hohe Einkommenssteuern sind weniger ein Problem als vielmehr Sozialabgaben, die ab dem ersten verdienten Euro greifen. Außerdem könnte man natürlich erneut darauf hinweisen, dass Bildungsinvestitionen sich mehr auszahlen als Steuergeschenke.

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Fastenzeit

Gestern war politischer Aschermittwoch und seitdem ist Fastenzeit. Unser Herr Außenminister kann dann ja mal Innenpolitik fasten, um sich – ganz im Sinne des Fastengedankens – darauf zu konzentrieren, was ihn eigentlich beschäftigen sollte. Um Steuersenkungen kann sich in der Zeit der Schäuble kümmern, mit den Arbeitslosen kann sich Mutti von der Leyen rumschlagen und Frau Wagenknecht kann sich weiter dem Sozialismus widmen.

So sind alle zufrieden und die Regentin muss auch nicht wieder ungewollt ihre Meinung von sich geben.

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Schlechterdings

Schlechterdingsscheint Herr Sloterdijk in den Augen der Rechtschreibprüfung jedenfalls kein besonders gutes Ansehen zu genießen.

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Was will Westerwelle?

dieliberalen

Man hätte es auch – mit etwas mehr herzerweichendem Pathos – so ausdrücken können: Was hätte nur aus dieser FDP werden können, die bei der Bundestagswahl fast 15% der Stimmen auf sich vereinigen konnte?

Nun, es stellt sich heraus, dass die FDP alle vermeintlich tugendhaften Züge aus dem Wahlkampf abgelegt und wieder zur ihrer alten Größe als Eine-Person-ein-Thema-Partei zurückgefunden hat. Seit die gelben Staatsverächter verantwortungsvolle Positionen im Staate bekleiden, handeln sie widersprüchlicher als je zuvor, indem sie beispielsweise massenhaft neue Beamtenstellen in den Ministerien schaffen. Westerwelle und seine Äußerungen sind da nur das Sahnehäubchen.

Damit sind wir wieder beim Kern der Diskussion angelangt: Erst breite Bevölkerungsgruppen pauschal zu beschimpfen und anschließend scheinheilig behaupten, damit Diskussion einleiten zu wollen, ist als stellte man sich mitten in Deutschland auf einen Marktplatz und ruft: “Alle Ausländer sind faul, kriminell und stinken und müssen deswegen bitte sehr wieder ins Ausland zurück!”, um anschließend zu behaupten, man habe nur eine vorurteilsfreie Diskussion über Integrationspolitik starten wollen.

Guido Westerwelle gehört zu den neuerdings immer stärker und selbstbewusster auftretenden Verfechtern einer neuen sozialen Ordnung. Gewissermaßen versucht er politisch umzusetzen, was sich Sloterdijk mit seiner kruden “Revolution der gebenden Hand” bereits vorgedacht hat: Der ehrliche Steuerzahler wird von einem Staatsmonster ausgeplündert, Steuerhinterziehung wird gewissermaßen als Form des bürgerlichen Widerstands bagatellisiert und geadelt zugleich. Als würden die Reichen freiwillig mehr und lieber geben als wenn das Staatsmonster ihnen in die Tasche greift. Weg mit der falschen, gar fatalen Hartz-Wertschätzung und her mit den Almosen!
Es geht um die Abschaffung des Sozialstaates in seiner jetzigen Form und nicht um seine Modifikation (vgl. u.a. auch “George W. Westerwelle” auf SPON). Das Staatsmonster soll gefälligst aufhören, das Geld aus den Taschen der vermeintlichen Leistungsträger in die Säckel der vermeintlichen Dekadenten, Faulen und Dummen zu tragen. Gleichzeitig werden Bonbons an treue Kunden Spender verteilt, Parteifunktionäre zu Staatsministern befördert und die Tatsache verschwiegen, dass die römische Dekadenz heuer an ganz anderen Orten zum Vorschein kommt. Genau dort nämlich, wo Leute nur von Kapitalerträgen leben und einen geradezu lächerlichen (und in Wahrheit natürlich vollkommen übertrieben hohen) Steuersatz von 25% auf diese Art des Einkommens zahlen müssen.

Gleichzeitig verteidigen Menschen wie Parteivize Prof. Pinkwart Studiengebühren, weil sie angeblich fair sind. Und sie tun das in einem Land, das sich wie kein anderes entwickeltes Land durch ein unglaublich undurchlässiges Bildungssystem auszeichnet. Ein Land, in dem soziale Herkunft und gesellschaftliche Aufstiegschancen in beinahe schon obszöner Weise miteinander korrelieren: “Zeig mir deine Eltern und ich sag dir dein Einstiegsgehalt”. Die im Wahlkampf allerorten versprochene Bildungsoffensive jedenfalls scheint die FDP verdrängt zu haben.
Ähnlich schlecht ist es um das Kernthema der FDP und Herzensanliegen Frau Leutheusser-Schnarrenbergers, Bürgerrechte, gestellt: Erst das europäische Parlament vermochte das SWIFT-Abkommen mit den USA zu kippen, das mit einer Gegenstimme Deutschlands im Ministerrat nie hätte verabschiedet werden können. Von einer Frau, die einst wegen einer in ihren Augen für die Bürgerrechte fatalen Entscheidung zurücktrat, könnte man eigentlich mehr erwarten.

Die Liste ließe sich endlos so weiterführen. Die wesentlichen Fragen jedoch müssen lauten:

  1. Wie viel Zeit kann man einer Partei zur Selbstfindung einräumen, während sich dieses Land in einer desaströsen haushaltspolitischen Lage und das globale Wirtschaftssystem in seiner vielleicht schwerwiegendsten Legitimationskrise befinden?
  2. Mit welchem Recht kann eine Partei, die knapp 15% der Stimmen auf sich vereinen konnte, fordern, 150% der eigenen Wahlkampfziele in Gesetze zu gießen?
  3. Was kann eine Partei von Staatsverächtern in einer Situation, in der der Staat der Finanzwirtschaft in beispielloser Weise mit Finanzmitteln zur Seite gesprungen ist, im Hinblick auf andere Ausgabenbereiche des Staates fordern?

Die FDP bleibt die Antwort auf diese Fragen schuldig. Und die Zeit rinnt, um eine Antwort darauf zu geben, denn spätestens nach einer verpatzen NRW-Wahl wird die bundespolitische Relevanz der Forderungen aus dem Thomas-Dehler-Haus rapide zusammenschmelzen.

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